Partnerschaft - heute noch so aktuell wie im Jahre 1978?

Hände halten einander fest. Eine Hand hält die andere, wie eine Kette, die sich schließt. Für sich allein sind die Hände schwach, gemeinsam sind sie stark, gegen die Widerstände, gegen das Dunkel, gegen das, was Angst macht. Einer kann sich auf den anderen verlassen, weiß sich vom anderen gehalten. Wir gehören zusammen, über alle Grenzen, Hindernisse und Vorurteile hinweg. Das ist Partnerschaft. Einer trage des Anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Seit dem Jahr 1978 gibt es diese Kette zwischen unserer Herrenhäuser-Leinhäuser Gemeinde und der Bethlehem-Gemeinde in Tlhabane, Südafrika.

Durch die Partnerschaft erfahren wir ökumenische Gemeinschaft zwischen Christen verschiedener Kulturkreise ganz real. Die im Glaubensbekenntnis genannte Gemeinschaft der Gläubigen wird so erfahrbar als Gemeinschaft von Menschen, die einander annehmen so wie sie sind, und die den Weg gemeinsam miteinander gehen.

Besuch aus Tlhabane-Bethlehem in Hannover 2010

lm Jahre 1978, zur Zeit der Apartheid, ging es darum, Solidarität mit den schwarzen Menschen in Südafrika zu leben und zu zeigen, dass Christinnen und Christen in aller Welt, trotz unterschiedlicher Hautfarbe, Sprache, Kultur und sozialer Herkunft miteinander leben können. Es ging um Unterstützung im Kampf gegen die Apartheid, es ging um die Erlangung von Recht und Würde durch Gebete und Taten.

Mit der Abschaffung der Apartheid änderte sich auch das Verhältnis unter den Partnern. Das vorsichtige Abtasten, besonders von unseren schwarzen Schwestern und Brüdern, ging über in große Offenheit, Vertrauen und gegenseitige Verbundenheit. Neue Aufgaben rückten ins Blickfeld. Etwa der Kampf gegen die Armut, die Verbesserung der Ausbildungsbedingungen für Kinder und Jugendliche, der Einsatz für Schwache, Kranke und Alte. Heute begegnen sich selbständige, gleichrangige Partner, die auch in Glaubensfragen bewusst und kritisch auftreten. Die alte Einbahnstraße von Europa nach Afrika ist längst zu einer Straße mit Gegenverkehr geworden.

Gottesdienst in Tlhabane-Bethlehem

Viele neue lmpulse und Erfahrungen beleben beide Gemeinden, auch wenn sie im Alltag oft nur wenig auffallen. Um nur einige kleine Beispiele zu nennen:

  • In Tlhabane beeindrucken immer wieder die bunten, lebendigen Gottesdienste, die schönen melodischen Gesänge der einzelnen Chöre, die Gemeinschaft im Glauben und in der Gemeinde, das gemeinsam getragene Leid aber auch die gemeinsame Freude, die Zufriedenheit mit der Lebenssituation und vor allem die Achtung vor dem älteren Menschen.
  • In Herrenhausen sind dieses die jährlichen Partnerschaftswochenenden, mit verschiedenen Referenten und Gastpredigern, die regelmäßigen Fürbittengebete, die brennende Partnerschaftskerze im Gottesdienst. Die Gemeinde selbst ist der Ökumene gegenüber viel aufgeschlossener geworden, was sich bei den verschiedensten Gottesdiensten und Anlässen zeigt.

Der tansanische Bischof Kibira sagte einmal: "Wir sind alle Empfangende und Gebende. Es gibt keine Kirche, die nichts zu geben hat, so klein sie auch ist. Es gibt keine Kirche, die nichts braucht, so groß und reich sie auch ist. Wir brauchen einander."

Um uns die gemeinsame Partnerschaft immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, wird jedes Jahr im Januar, und das nun schon seit Jahrzehnten, das Partnerschaftswochenende begangen. Wir versuchen uns die Motive der Partnerschaft, die Ereignisse in der Vergangenheit, die verschiedenen Begegnungen der Gemeinden noch einmal ins Gedächtnis zurück zu rufen. Die lange Zeit, vom Anfang 1978 bis heute, in Generationen gerechnet ein ganzes Menschenleben lang, wird durch Bilder und Erzählungen noch einmal lebendig.

Partnerschaftssonntag Januar 2009

Berichte über die vielen Treffen, Gespräche mit den Menschen in beiden Gemeinden, den einzelnen Gruppen, mit Pastoren, Kirchenvorständen und in den Gastfamilien wecken Erinnerungen. Die Probleme der zunehmenden Armut, wachsenden Kriminalität, Arbeitslosigkeit, die große Bedrohung durch HIV (AlDs) und die wachsende Sorge um den wirtschaftlichen Niedergang spielen eine große Rolle.

Mission ist keine Sache von gestern, sondern ist auch heute nötig. Nicht nur zu den Menschen in Afrika, sondern auch hier bei uns, etwa zu Menschen mit Migrationshintergrund, nur eine missionarische Gemeinde ist eine lebendige Gemeinde.

Hände halten einander fest, wie eine Kette, allein sind die Hände schwach, gemeinsam sind sie stark, gegen Widerstände, Dunkel und Angst, einer trage des anderen Last, so wird durch Partnerschaft Christi Gesetz erfüllt.

Doch das kann der Partnerschaftskreis nicht alleine leisten. So wünschen wir uns in der Gemeinde noch viele Hände, die uns helfen die Partnerschaft lebendig zu erhalten und die an dem Reichtum der Erfahrungen teilnehmen möchten. Jeder ist herzlich eingeladen.

ln einem afrikanischen Gebet heißt es: "Gott erfülle eure Füße mit Tanz, eure Arme mit Kraft, euer Handeln mit Zärtlichkeit, eure Ohren mit Musik, eure Nasen mit Wohlgerüchen, euren Mund mit Jubel und euer Herz mit Freude."

Für den Partnerschaftskreis: Susanne Pech